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Reviews zu home
"Home" heißt sie also, die Neue, und wer SWB
kennt, weiß sofort, welcher Euphemismus sich dahinter verbirgt.
Das vermeintlich aus dem bluNoise-Rahmen fallende Schweizer Trio
aus den beiden Instrumentalisten Mathias Hofstetter (Gitarre) und
Daniel Manhart (Bass, Samples, Programming) und der wundervollen
Katja Mair am Gesang hat in den vier Jahren seit ihrem Debüt
leider wenig Lebenszeichen von sich gegeben. Aber SWB könnten
wohl nicht das machen, was eben nur sie machen, wenn sie sich dafür
nicht viel Zeit nähmen.
Schon auf den zweiten Blick ist zu bemerken, dass
man nicht da weitermachen will, wo man aufgehört hat. Die Soundelemente
Drum-Computer, Bass, Samples und Gesang sowie das an eine minimalistische
Version von 80er-Jahre Dark Ambient und Industrial erinnernde Gesamtbild
stehen zwar immer noch im Mittelpunkt. Aber Dance- und Trip-Hop-,
manchmal fast Drum'n'Bass-Rhythmen werden jetzt größer
geschrieben, obgleich immer noch bitter zweckentfremdet, wenn sie
in einem Kontext aus flüsternden Stimmen und aus der Ferne
vernehmbaren Schreien kalt und grau wirken und wirken sollen.
Und endlich auch Melodien! Katja singt mehr und deutlicher!
Und das kann sie mindestens genau so gut wie auf der ersten Platte
herzzerreißend schreien! So übernimmt ihre Stimme jetzt
die Rolle des einzig Versöhnlichen, Warmen. Die Gitarre dagegen
ist wie das Ventil des auf "Home" immer präsenten Unheilvollen;
sie kreischt, heult, wimmert oder hüllt dich in beunruhigende
Dissonanzen. Nach wie vor hält ihre Musik, was der Bandname
verspricht. Bilder von Tod und Stille durchziehen "Home" als ein
blutroter Faden (die Songtitel "leave", "end" oder "quiet" illustrieren
das). Nicht auf die kitschige Tour, sondern tiefgehend, wie in Camus
Sisyphos. Ein Foto im Artwork versinnbildlicht die beklemmende Stimmungs-
und Gefühlswelt des Albums: eine Kellertreppe, von der nur
die ersten Stufen zu erkennen sind, während das Ende der Treppe
in Finsternis getaucht ist. Vieles dreht sich darum: Ungewissheit
am anderen Ende. Hoffentlich kommt mir das Bild nicht wieder hoch,
wenn ich mal wieder im Dunkeln nach Hause komme.
Der Eindruck, den man bei ihrem ersten Werk schon
hatte, dass SWB ein stückweit mit "akademisch" ernster Gesinnung
an ihre Sache rangehen, findet in Gestalt eines wunderschönen
Stücks eine erneute Bestätigung: In "goodbye" hört
man Arvo Pärts "Cantus", dazu nur ein unablässiges Herzklopfen
und Katjas Gesang. Das Stück wird dabei nicht entstellt, vielmehr
dessen Essenz mit den eigenen Worten auf den Punkt gebracht. Ihr
Neuling ist möglicherweise zugänglicher als das Debüt,
aber die Wahrheit ist: Slowly We Bleed haben auf eine neue, andere
Art zu sich selbst gefunden. Und kommen wieder dort an, wo alle
ernsthaften Musiker hinwollen: Sie betreten Neuland und machen es
stante pede zu ihrem Königreich, erfinden eine eigene Sprache
und beherrschen diese sogleich in Vollendung. Ohne dabei experimentell
zu klingen. Ihre Mittel sind nicht neu, aber SWB überzeugen
dadurch, dass sie deren Synthese mit beispielloser Selbstverständlichkeit
ausleben. Und erschaffen dann eben doch wieder etwas Neues.
NOIZE 1/ 2001 Holger Mau
Eine fette Mischung aus kraftvollen Stromgitarren,
tanzbarem Programming und einer ausdrucksstarken, weiblichen Stimme
(Katja Mair) bietet diese CD. Slowly we bleed machen keine Kompositionen
zum Nebenbeihören. Man muss die teils monströsen, teils
sich aus der Tiefe des Raums entwickelnden Klangkonstrukte auf sich
wirken lassen. Dann wachsen Titel wie "Hold me" und "End" zu vollendeter
Schönheit. Denn die Stärke des Trios, zu dem neben Frontfrau
Katja auch noch Gitarrist Mathias Hofstetter und Programmer/ Basser
Daniel Manhart gehören, liegt, wie der Name schon andeutet,
in der Schwere der Langsamkeit. Aber nicht nur.
INHARD 12/ 2000 Rainer Guerich
Kerle, rettet euch
vor der Hexe des Winters 2000! Sie wird euch ganz langsam die Kehle
zudrücken und anschließend hysterisch kichern! "Blair
Witch Project" erblaßt daneben. Durch tiefste Dub Wälder
drücken sich schwere Stürme, die oft in eine gewisse Monotonie
verfallen. Und während du noch hoffst, du kannst ihr entkommen,
schieben sich elektronische Gewitter noch tiefer in die Darkness
und deren Samples beginnen, sich unmerklich zur Hexengestalt zu
formen, um dann zuzudrücken. Schweizer Wälder sind einmalig
qualvoll!
WAHRSCHAUER 12/ 2000 witch
Und zum zweiten
Mal lädt uns der gemischte Dreier aus der Schweiz zum Höllentrip
in seine "carceri" von geradezu danteschem Gruselfaktor. Die Holpertreppe
im Inneren des Covers mag es schon andeuten und Verweise auf Scorn
und Young Gods sind hier überflüssig: Hier ist das Grauen
"zu hause", und es hat viele Gesichter, sie tauchen auf und schrecken
dich, es ergreift vollkommen Besitz von dir. Das Schaben und Knarzen,
dazu Katja Mair's spitze Schreie, ihr Sirenengesang, diese völlige
Verlassenheit, all das darf bitte nicht von dieser Welt sein. Abwärts
geht's hier in die klammen Abgründe menschlicher Sonder-Existenzen,
narbig und gezeichnet wie Mair's Teint ist auch ihr Organ, das schockierend
sensibel und nuanciert den orkus von Gitarrist Hofstetter und Daniel
Manhart (Samples, Bass, Programmierung) konterkariert und kommentiert.
Den Film zu diesem Soundtrack wage ich nicht zu imaginieren und
doch drängen sich die Schimären auf. Der nassforsche Somnambule,
der gern unruhig schläft, der greife hier nur zu. Remixe sind
für März angedroht.
WESTZEIT
1/ 2001 Linne |