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Reviews zu home remixes
Lichtblicke in der Düsternis
Die Musik von Slowly We Bleed in Remix-Versionen
Vor zwei Jahren machte die Gruppe Slowly We Bleed mit dem
Album «Home» von sich reden. Unterdessen haben nationale und internationale
Musikgrössen wie Nils Petter Molvær, Scorn, Swandive und Transglobal Underground
aussergewöhnliche Remixes zur Musik der Band geschaffen, die kürzlich
auf CD veröffentlicht wurden.
Musikalisches Format zeigt sich meistens darin, dass die Musik
eine eigene Sprache spricht und nicht sofort Vergleiche zu Vorbildern
hervorruft. Oft haben die Urheber solcher Klänge einen breiteren stilistischen
Hintergrund, als ihre profilierte Musik vermuten lassen würde. Dies gilt
auch für die 1993 gegründete Gruppe Slowly We Bleed, deren aus Rapperswil
und Umgebung stammende Mitglieder sich in Konservatorien und Jazzschulen
ausbilden liessen. Katja Mair singt in mehreren Bands zwischen Jazz, Trip-Hop
und Drum'n'Bass, wovon das A-cappella-Quintett Urban Voices die bekannteste
ist. Auch der Gitarrist Mathias Hofstetter spielt in mehreren Gruppen,
schafft in seinem Studio zudem Soundtracks für Werbespots, Videogames
und Performances. Und Daniel Manhart, der für Bass, Samples und Programming
zuständige Mastermind des Trios, singt daneben in einem Renaissance-A-cappella-
Quartett. Die gemeinsame Musik bezeichnet Slowly We Bleed als Psycho-Dub
- der Gruppenname ist allerdings noch treffender.
Beklemmend langsam und schmerzhaft tönen die meisten Stücke
von Slowly We Bleeds letztem Album, «Home» (2000) - bleiern und monoton
die elektronischen Rhythmen, düster bis durchdringend die Klänge, selbstvergessen
bis selbstquälerisch die Stimme, apokalyptisch die Stimmung. Programmatisch
erklärt Katja Mair im Titelstück mit nüchterner Sprechstimme, sie seien
nicht verloren, aber Hoffnung habe keinen Sinn mehr . . . und
ohne Schmerz würde sie nichts mehr fühlen. Zusammen ergibt dies eine schwierige,
aber atmosphärisch dichte Musik, die man als einen Soundtrack bezeichnen
könnte, der keines Filmes bedarf. Die Stücke lassen dem Zuhörer viel Raum
für eigene Bilder, zumal sie auf das Wesentliche reduziert sind.
Spartanisch klingen auch die Remixes, die Musiker aus dem In-
und Ausland zu den Stücken von «Home» für die neue CD «Home - Remixes»
anfertigten. Die verschiedenen Produzenten zeigen die Stücke aus neuen
Perspektiven, indem sie die düsteren Originale stilistisch vielseitig
einfärbten, einzelne Facetten zum Grundthema machten und mit Schliff manchmal
sogar zum Leuchten brachten. Das hat die meisten Stücke prägnanter und
zugänglicher werden lassen, Swandives Version von «Late» klingt geradezu
poppig. Kein Bearbeiter hat sich jedoch damit begnügt, dem Original lediglich
einen neuen stilistischen Mantel umzuhängen, wie dies bei Remixes oft
geschieht. Vielmehr haben die Remixer oft radikal neue Versionen geschaffen
und eigenes Material hinzugefügt.
Am stärksten persönlich geprägt ist die Arbeit von Nils Petter
Molvær, der den Titel «Hold Me» mit seinem unverkennbaren melancholischen
Trompetenspiel und seinem ästhetisierten Blasgeräusch in ein wunderschönes
neues Stück verwandelte. Auch aus anderen Produktionen ist das Original
kaum mehr herauszuhören. Dies bestätigt auch Daniel Manhart. Er habe kein
Problem damit; dies sei besser, als wenn sich ein Remixer um die eigene
Aussage drücke: «Im glücklichen Fall zeigt ein Remix deine Musik durch
die Brille eines anderen, der deine Musik mag und versteht. Konkret: Viel
eher als die klingenden Sounds entscheidet die ästhetische Grundhaltung
über das Gelingen eines Remixes.» Und Molvær habe mit seinem spartanischen
Remix den Spirit von Slowly We Bleed getroffen.
Manhart betont, dass auf den originalen Platten von Slowly We
Bleed «jeder Ton gewollt, jeder formale Spannungsbogen reflektiert» sei,
da er «an das Opus in seiner absolut stimmigen Gestalt» glaube. Live hingegen
sei ihr Konzept viel offener: «Nur die grossen Teile sind abgemacht, wir
improvisieren viel.» Zu diesem musikalischen Konzept passt, dass das Trio
an seinen für Anfang 2003 geplanten Konzerten auch die Remixes von Molvær,
Scorn und Freq63 neu interpretieren wird. Zusammen mit dem Schlagzeuger
Marc Halbheer will das Trio also quasi Live-Remixes der Remixes schaffen,
um, laut Manhart, «die Remixes wieder zu unseren eigenen Stücken zu machen».
© Neue Zürcher Zeitung; 2002-12-19; Markus Ganz

Work in Progress
Remix-Alben sind oft nur dann
spannend, wenn man das darauf vertretene Repertoire bereits in seiner ursprünglichen
Form kennt und das Geschick der Nachbearbeiter als solches zu goutieren weiss.
Die neue CD des Rapperswiler Trip-Hop-Trios Slowly We Bleed ist die grosse Ausnahme,
kumulieren sich die Mischpultmanipulationen der geladenen Tüftler aus dem Inland
(Swandive, Radio Osaka) und Ausland (Nils Petter Molvaer, Trans-Global Underground)
doch zu einer stimmigen Klangkulisse voll gotischer Melancholie. Hier sind eben
keine kratzigen Schnellschüsse vom Laptop zu hören, hier scheint sich jeder
Gast genug Zeit genommen zu haben, um bis ins kleinste Detail an seinem Remix
zu feilen. «Home - Remixes» ist allerdings nur ein vorläufiges Endprodukt, denn
die Arbeit an den Songs aus Slowly We Bleeds Platte «Home» aus
dem Jahr 2000 geht weiter: Die Band plant eine Tournee zum neuen Album, bei
der sie den kreativen Input der Remixer sicher einfliessen lassen wird.Work in Progress also.
© Tages-Anzeiger; 2003-01-08; Seite 51; (nij)
Eine ebenso faszinierende wie für das Label untypische
Scheibe bescheren uns Slowly we bleed mit ihrer meisterhaft remixten
Scheibe „Home“. Das vor zwei Jahren ebenfalls auf bluNoise
erschienene Werk findet hier Eingang in die internationale Elektronikszene,
der die wunderschöne Stimme von Sängerin Katja Mair natürlich
nicht vorenthalten werden darf. Das Trio hat also sehr gut daran
getan, diesen Schritt zu wagen.
Das Resultat ist eine Mischung aus wenigen Gitarren und vielen
erfrischend kalten Klängen, die nicht zuletzt Grössen
wie Transglobal Underground oder dem norwegischen Trompeter Nils
Petter Molvaer zu verdanken sind. Zwischen minimalem, aber durchaus
experimentierfreudigem Elektro, weniger gelungenem Industrial von
Jesus D, einem Rest triphoppig-zäher Gitarrenarbeit und einer
Menge guter Trance-Atmosphären leuchtet immer wieder eine faszinierende
Stimme auf, so wohldosiert und daher höchst effektiv, wie man
es sich von manch anderen Elektronikproduktionen mit Gesang nur
wünschen kann.
Gelungene Dekonstruktion, die bei jedem mal hören besser wird!
©
NOIZE; 1 / 2003; Frank Ilschner
Soviel vorne weg: Typisch fürs Label ist das
nicht, was die Troisdorfer von bluNoise zum Auftakt des neuen Jahres
ins Rennen um die Publikumsgunst schicken. Dort nämlich, wo
in erster Linie die Saiteninstrumente -und meist in ungezügelter
Form - das Geschehen bestimmen, legt sich mit diesem Remix-Album
des schweizerischen Trios Slowly We Bleed ein synthetischer Tiefbass-Brummer
gleich mal quer zur Mainstream-Fahrtrichtung.
War schon das Ursprungswerk,
"Home", ein rabenschwarzes und langsam über den Boden
kriechendes Stück Musik, wurden diese Attribute nunmehr um
die Elemente der elektronischen Programmierkünste bereichert.
Was mit "Big Blue Mourning Sky" und seinen schwerfälligen,
kargen Gitarren-Riffs noch halbwegs konventionell und tanzbar beginnt,
entpuppt sich im weiteren Verlauf als stampfende, tranceige Groove-Maschine.
Für mich waren die "Home-Remixes" obendrein eine
willkommene Gelegenheit, die taufrisch (und nicht ohne Stolz) erworbene
HiFi-Anlage einer ersten, ernsthaften Belastungsprobe zu unterziehen.
Und höre da: Böse und finster grollen die Bässe unter
meinen Füßen, während feine, scharfkantige Tonsplitter
im Hochtonbereich an mir vorbeifliegen. Trip-Hop, Industrial allemal,
aber auch Trance und Dance sind wohl die passenden Überschriften
dieses nicht gerade unkomplizierten Klanggeflechts. Nicht von ungefähr
haben sich Slowly We Bleed bei der Auswahl ihrer Nachvertoner auf
die experimentierfreudige und avantgardistische Prominenz ihres
Jazz-Umfeldes verlassen. So drehte neben dem norwegischen Edel-Trompeter
Nils Petter Molvaer auch Radio Osaka-Mitbegründer Stephan Thelen,
ein diplomierter Musiker und Mathematiker, an den Knöpfen und
Tasten von Elektronika und Digitalika. Logisch also, dass bei dieser
Versammlung akademischer Kompetenz nur wenig "rein zufällig"
passiert. Vielleicht liegt deshalb das Faszinosum dieser Scheibe
auch eher in der Flut der akustischen Reize als an ihrer emotionalen
Teilhaberschaft.
Vieles auf diesem Album spielt sich audiophil hinter
der Frontlinie ab. Es vergeht kaum ein Moment, in dem nicht irgend
etwas - und sei es im fernen Hintergrund - passiert. Leider ist
davon auch die herausragende Stimme der Slowly We Bleed-Front-Sopranistin
Katja Mair betroffen. Nur selten tritt die diplomierte Lehramt-Inhaberin
in Aktion und schafft es, dem berechneten Kalkül so etwas wie
Herz und Seele entgegen zu setzen. Was diese nämlich stimmlich
zu leisten im Stande ist, kommt am ehesten auf den Remixen von "End"
oder "Late" zum Tragen und hätte für meinen
Geschmack durchaus mehr Fläche verdient.
Fazit: Dieses Remix-Album
ist audiophiler Genuss und Hörer-Herausforderung zugleich.
Wer letzteres siegreich bewältigt, wird die Platte aber kaum
mehr missen wollen.
©
www.virtualrock.de; 1 / 2003; tz

Link zu weiterem Review auf der deutschen Music-Site Walls of fire
Walls
of fire ; 2003-09-01; Kervorkian
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