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Reviews zur Debut-CD-Veröffentlichung
Meine Olymp-Favoriten des Monats sind beim BluNoise-Label
in der Heimat von Dynamit Nobel zu Hause. Sprengkraft ist dem Schweizer
Slow(e)motion-Trio zu bescheinigen, das sich, einer morbide groovenden
Ambient-Oper gleich, minimalistisch-schabend durch düster-verzweifelte
Ambientfegefeuer frisst, seinen Stil, warum auch nicht, als "Hard-Dub"
bezeichnet und freimütig Scorn, Godflesh und Young Gods als
Einflüsse preisgibt. Trotzdem, ein Genuss.
WESTZEIT 4/ 1997 Linne
SWB sind Schweizer und sie produzieren so etwas wie
Düster-TripHop. Programmatisch an ihrem Namen klebend, fabrizieren
eine Frau und zwei Männer auf ihrem Debüt eine morbid
kalte Samplegalerie der emotionalen Härte. In den Schreianfällen
von Katja Mair liegt Verzweiflung und Wut. Die strikte Einschränkung
durch das minimalistische Programming ihrer Mitstreiter Daniel Manhart
und Mathias Hofstetter schafft ihr eine willkommene Plattform, um
ihre Szenarien aus Unsicherheit, Dunkelheit, Verzweiflung und Aufgabe
mal rezitativ wispernd, mal ohnmächtig brüllend auszubreiten.
Einmal in Gang gesetzt, muss die Platte durchlaufen, um ihrer Herr
zu werden oder in ihr zu versinken. Das akribische Sampling mit
einer vermutlich sehr umfangreichen Klassik-Bibliothek im Hinterstübchen
funktioniert atmosphärisch dicht und bleibt spannend, so man
denn die tief traurige Grundstimmung des Albums erfasst hat. Stimmen,
die von überall her kommen, müssen nicht jede für
sich wichtige Dinge erzählen. Da ist sehr wenig in der scheinbaren
Masse. Als Nachricht, tonal und geräuschvoll verpackt, begreife
ich diese Platte, so sie denn begriffen werden soll und nicht nur
als das steht, was passiert, wenn man den Kinderwagen zu lange am
Hintereingang von Schlachthöfen abstellt. Leckeres Schreckensmobile.
INTRO 4/ 1997 Lars Lücking
Diese Platte beginnt mit einem knapp 30-sekündigen
Schrei der Sängerin. Unglaublich, wieviel Luft ein Mensch haben
kann. Absonderliche Sounds, ich glaube, es sind Schweizer. Ihre
Musik beschreiben sie selbst als Hard Dub und geben als ihre Einflüsse
Godflesh und die Young Gods an. Interessant. Aber es gelingt ihnen,
den Anspruch der sinnlichen Musik statt verkopfter Musik zu erfüllen.
Diese Musik ist sehr repetetiv, wie Dub halt sein muss. Aber durch
die improvisierte Gitarre und Stimme bekommt sie eine Lebendigkeit,
die auf dem Ambient Dub Background sehr unheimlich wirkt. Sie könnten
ihre Tracks ruhig noch 20 bpm langsamer spielen, sie würden
dadurch an Spannung noch gewinnen. Slowly We Bleed ist keine Musik
zum Entspannen. Eher zum Tagträumen am Tag vor einer schwierigen
Entscheidung. "No angel to destroy the voices inside". Ich glaube
nicht, dass es viele Bands gibt, die sich so pathetische Sätze
heute noch leisten könnten. Hier funktioniert es gut.
KOMM KüSSEN 5/ 1997 Kai
Wer bisher der (irrigen) Annahme war, dass lediglich
High-Speed-Techno-Beats das Gemüt malträtieren können,
wird bei Slowly we bleed eines Besseren belehrt. Hier wird die Endlosigkeit
der Monotonie zelebriert, die Langsamkeit reinkarniert. Minimalistisch
instrumentiert und dabei doch extrem effizient. Slowly we bleed
wirken äusserst zermürbend auf die Körpersinne ein,
kleine Soundpfeile bohren sich in die Gehörgänge, suhlen
sich mit sadistischer Freude in der Haut, drehen sich endlos um
die eigene Achse. Collagenhaft zusammemgestellt findet sich in diesem
Klangmosaik weder Anfang noch Ende, windet sich der partizipierende
Hörer gefangen in einem dunklen Klanguniversum und empfindet
dabei doch so etwas wie (masochistische) Freude. In den 80ern boten
Künstler wie die Neubauten, Nick Cave, Lydia Lunch oder Sonic
Youth diese Musik unter Begriffen wie Industrial, Noise oder Independent
dar. Slowly we bleed machen im Prinzip nichts anderes, werden aber
trendgerecht mit Umschreibungen wie Ambient oder Trip-Hop und Dub
vermarktet. Eine schöne Reminiszenz an die 80er, die zeigt,
dass auch Bier aus alten Krügen schmeckt.
ZILLO 5/ 1997 Frank Rummeleit
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